Hosting-Umzug abgeschlossen. Hallo Uberspace!

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Letztes Wochenende habe ich nach fast genau 11 Jahren den Hoster gewechselt und bin bei Uberspace gelandet.

Im Juni 2002 reservierte ich ein Webpack mit der Domain jotbe-fx.de bei Host Europe und sah es seitdem als Spielwiese und digitales Wohnzimmer.

Die ganzen Jahre über war ich prinzipiell zufrieden, aber mit der Zeit setzte das gebuchte Paket digitalen Rost an und hielt mit meinen geänderten Anforderungen nicht mit. Alleine das Preisleistungsverhältnis machte bereits vor ein paar Jahren einen Wechsel interessant - entweder innerhalb des selben Anbieters oder hin zu einem anderen.

## Uberspace kam gerade recht

Bei einem erforderlichen Server-Upgrade vor einiger Zeit änderten sich schließlich sämtliche Zugangsdaten, aufgrund der geänderten Server-Umgebung funktionierten einige Skripte und CMS nicht mehr. Mein Paket blieb von den Rahmenbedingungen her weiter auf dem Stand von 2002, u.a. begrenzt auf 1 GB Speicher für Webspace und Mailkonten, nur FTP und kein Shell-Zugriff.

Während der Reparatur meines Pakets entschloss ich mich daher zum Wechsel.

In der Twitter-Timeline stolperte ich über einen Anbieter, der anders sein will. Der Kunde entscheidet bei Uberspace darüber, wie viel er monatlich pauschal zahlen möchte und erhält ein modernes Hostingpaket mit allem, was man als IT-Nerd heutzutage so haben möchte, darunter:

  • Genügend Speicherplatz (aktuell 10 GB pro Paket)
  • SSH, optional mit Zwei-Faktor-Authentifizierung
  • Eine flexible Server-Umgebung mit Unterstützung für Python, Ruby, Lua, Erlang, node.js, MongoDB, Redis uvm.
  • Ebenso flexibles E-Mail-Handling
  • Antworten zu Fragen sowie Anleitungen über ein umfangreiches Wiki, oder dem schnell reagierenden Support.

Sollte der Speicherplatz nicht ausreichen, kann man weitere Pakete registrieren und zusammen verwalten, insofern man Single-Sign-On verwendet. Beträge kann man gesammelt überweisen und anschließend auf seine Pakete verteilen.

Drum prüfe ...

Während einer Evaluierungsphase richtete ich bei Uberspace eine Umgebung für mein aktuelles Steckenpferd Web2Py ein. Das Setup gestaltete sich einfach und bereits nach kurzer Zeit lief eine Test-App mit WSGI in einer Python-Sandbox (Virtualenv), das sogar recht flott. Weitere kleinere Tests verliefen ebenfalls positiv. Sehr schön.

Ein Umzug will geplant sein

Nach der Entscheidung zum Umzug stand die Planung an. Als Planungswerkzeuge boten sich Stift und Zettel an, ich entschied mich zusätzlich für ein Online-Tool namens Trello. Damit kann man wunderbar virtuelle Notizen an Pinwände kleben. (Am Rande: Trello lässt sich bestimmt auch einsetzen, um die Entwicklung von Software mittels Kanban-Ansatz zu steuern.)

Als Meilensteine hatte ich definiert:

  • Einrichtung eines lokalen Testsystems basierend auf den aktuellen Live-Daten
  • Migration der Applikationen/Websites
  • Übertragung bzw. Kündigung von Domains
  • Migration der Mailkonten
  • Kündigung beim alten Hoster

Die Teilziele waren jeweils mit relativ viel Arbeit verbunden. Nimmt man sich beispielsweise die Mailkonten vor, hingen daran Schritte wie die Vorankündigung des Umzugs an Mailkonto-Inhaber, Löschung inaktiver Konten, die Evaluierung einer Migrationsstrategie sowie die Entwicklung dazu benötigter Skripte.

Das lokale Testsystem bestand aus einer mit Vagrant und Puppet kontrollierten virtuellen Maschine. Der Basis-Server, Datenbanken, Websites und Applikationen wurden am Ende automatisch von Grund auf über ein Skript eingerichtet. Über ein paar Anpassungen in der Konfiguration konnte ich das zukünftige Live-System lokal vorbereiten und recht gut testen.

Es wird Ernst

Der Umzug selbst verlief größtenteils wie geplant und recht entspannt. Hier die Kurzfassung:

  • Mailkonten-Benutzer erhielten von mir eine Vorankündigung, ich sperrte zu einem Stichtag nicht mehr benötigte Konten sowie solche ohne Rückmeldung.
  • Die Websites liefen bereits seit einiger Zeit unter temporären Domains. Bei der echten Migration musste ich nur noch die aktuellen Datenbestände importieren.
  • Der vorige Hoster erhielt KK- bzw. CLOSE-Anträge.
  • Die Quell-Mailkonten sperrte ich vorübergehend und übertrug sie per imapsync.
  • Alle zu übertragenden Domains transferierte ich am Ende und konfigurierte neue Zonen im DNS.
  • Ein abschließender Check offenbarte ein paar Server-Fehler (HTTP-Status: 500) in der Serendipity-Installation, die ich unter anderem mit diesem Patch aus dem Forum korrigieren konnte.

Unterm Strich

Die Arbeit hat sich meines Erachtens gelohnt. Der Hoster-Wechsel bot viel Potential zum Lernen. Über die Jahre erarbeitete Teilaspekte konnte ich auffrischen und gleichzeitig in einem größeren gemeinsamen Kontext anwenden. Ich freue mich auf die vielfältigen technischen Möglichkeiten, die mir nun zur Verfügung stehen. Die Spielwiese ist wieder geöffnet!

Jan Beilicke

About the author

Long-time IT professional and full-time nerd. Open source enthusiast, advocating security and privacy. Sees the cloud as other people's computers. Find me on Mastodon or Twitter.