Review: Dokumentation »Meine Daten und Ich« (DVD)

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Heute Morgen lag ein DVD-Rezensionsexemplar einer in Deutschland gedrehten Datenschutz- und Überwachungsdokumentation in meinem Briefkasten - das ist dieser Metallkasten, der sonst nur Rechnungen und China-Restaurant-Flyer für mich sammelt. Gerne komme ich dem Wunsch des Absenders nach einem Review nach.

Meine Daten und Ich (Cover)

»Meine Daten und Ich - Wenn die Sicherheit die Bürgerrechte bedroht« ist ein Film von Philipp Eichholtz und handelt von dem fiktiven Filmemacher Axel Ranisch, der gemeinsam mit seinem Kameramann Hardy und seiner Freundin Eva eine Dokumentation drehen will über Überwachungsgesetze, Datenschutz, Bürgerrechte und den gläsernen Bürger in Deutschland.

Während der Entstehung des Films wird Axel selbst unfreiwillig mit ein paar Datenschutz-Themen konfrontiert, die ihn stellenweise ganz gut aus der Fassung geraten lassen - sei es das Scoring-Verfahren, weil er einen Kredit braucht (Was ist ein Score?! Und wieso habe ich so wenig davon?!) oder der nette Herr von der Leistungsstelle der ArGe, der beim Antrag auf Hartz IV zuerst noch »ein paar Kleinigkeiten« von ihm wissen müsste, bevor über eine Zahlung entschieden werden könnte. Überflüssig zu erwähnen, dass es eben keine Kleinigkeiten sind, über die Axel Auskunft geben soll, möchte er keine Nachteile erfahren.

Der Film widmet sich dem ernsten Thema der Überwachung und der Aushöhlung des Datenschutzes und der Bürgerrechte in Deutschland auf eine unterhaltsame Art und Weise. Gezeigt werden anfangs unter anderem die Probleme des Filmemachers einen Kameramann für wenig Geld zu bekommen und seine Freundin, die ihn bei seinem »bescheuerten Vorhaben, diesen Film zu drehen und das noch von ihrem Geld«, bestimmt nicht unterstützen will. Nachdem man sich nach ein paar Minuten langsam fragt, ob nicht langsam genügend »Drumherum« erschaffen wurde, kommt der Film zügig zur Sache.

Gezeigt werden im Wechsel Ausschnitte aus dem Dokudreh mit Axel an verschiedenen Orten und Interviews mit einigen Politikern von CDU, SPD und FDP (sonstige Parteien sind mir nicht aufgefallen beim ersten Durchschauen). Bürgerrechtler, IT-Experten und Datenschutzbeauftragte stellen die zweite Gruppe der Interview-Teilnehmer.

Sie alle geben zu ein paar aktuellen Datenschutz- und Überwachungs-Themen Auskunft, wie beispielsweise zur Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, den Datenschutzaffären bei LIDL und der Telekom sowie zu Scoring und der anfangs beschriebenen Beantragung von ALG II. Aufgelockert wird das Ganze durch kurze amüsante Zeichentrickfilme, die beispielsweise ein Büro des Bundesinnenministerium zeigen, und jemand die Antwort von Briefen vorliest, die Axel an Wolfang Schäuble geschrieben hat.

Der Film ist gut geeignet, die Positionen der Befürworter und Gegner der genannten Punkte zu vermitteln. Im Rahmen dieser Rezension möchte ich jedoch nicht wertend auf die einzelnen Aussagen eingehen. Darüber hinaus gibt beispielsweise der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar nützliche Informationen, wie man sich in Hinblick auf die informationelle Selbstbestimmung gegenüber Behörden verhalten sollte - auch wenn es manchmal unbequem sei.

Ergänzt wird die Dokumentation durch Bonusmaterial in Form von ausführlicheren Aussagen der Interview-Teilnehmer zu den einzelnen Themen und unterhaltsamen Audiokommentaren von padeluun und Réna Tangens vom Foebud e.V., die darin auch auf im Film nicht behandelte Themen eingehen.

Leider werden viele andere wichtige verwandte Themen nicht oder nur marginal angeschnitten, was in Anbetracht der Laufzeit von 79 Minuten verständlich ist - man hätte getrost zwei Stunden füllen können. Da wünsche ich mir einen zweiten Teil. Material für weitere Folgen gibt es ja genug.

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter und unterhaltsamer Film, der den Zuschauer nachdenklich zurücklässt und aufzeigt, dass man etwas tun muss, will man noch etwas Freiheit, Privatheit, Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung bewahren.

Der Film endet mit: »Wehrt euch! Interessiert euch! Passt auf eure Daten auf!« - dem füge ich noch hinzu: »Schaut euch diesen Film an!«

Die DVD »Meine Daten und Ich« ist seit dem 24. Juli für humane 9,90 Euro direkt beim Anbieter GMfilms zu beziehen. Zwei Trailer findet man auf der Website zum Film.

Jan Beilicke

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